Checkliste Café öffnen: Terrasse und Schaufenster bereit
Passanten entscheiden an der Fassade, ob dein Café offen und einladend wirkt. Diese Checkliste bringt Terrasse, Schaufenster und Tafel in der Stunde vor Öffnung in Form und zeigt, wo die Gemeinde mitredet.

Die Fassade sagt „offen“ oder „geschlossen“
Wer an deinem Café vorbeigeht, entscheidet in wenigen Schritten. Drinnen sieht er noch nichts, draußen alles: Terrasse, Scheiben, Tafel, Eingang. Für Eiscafés gilt das besonders, weil Laufkundschaft im Vorbeigehen entscheidet, ob sie stehen bleibt.
In Kemal Üres' Format „Kemal rettet“ geht Berater Hüsein Schuler mit der Inhaberin eines Restaurants in Mölln um den Laden herum und sagt es so: Der Laden muss von außen schon geöffnet aussehen, und das ist die erste Aufgabe, wenn das Team morgens kommt. Wer vorbeiläuft und sieht, dass draußen eingedeckt wird, weiß später: Die Terrasse hat offen. Im selben Video wird die Messlatte festgelegt: Bei so einer Lage muss der Außenbereich „immer ready sein, und das eine Stunde bevor du öffnest“. Und über Angebotstafeln, auf denen nichts steht: Dann brauche der Gast auch nicht herzukommen.
Das Gegenteil kennt jeder: zusammengeschobene Stühle, eine leere Tafel, Kisten im Schaufenster. Das Café ist vielleicht offen, aber es sieht nicht so aus.
Ablaufplan: die Stunde vor Öffnung
So kann die letzte Stunde vor Öffnung aussehen, hier als Beispiel für ein Café, das um 10 Uhr aufmacht und morgens mit zwei Leuten startet. Uhrzeiten und Aufgaben passt du an deinen Laden an.
| Uhrzeit | Aufgabe | Wer |
|---|---|---|
| 9:00 | Terrasse aufbauen: Tische, Stühle, Schirme, nur auf der genehmigten Fläche | Person 1 |
| 9:00 | Kühlung, Vitrine und Kasse innen vorbereiten | Person 2 |
| 9:15 | Tische abwischen und eindecken: Blumen, Aschenbecher, Besteck oder Servietten | Person 1 |
| 9:30 | Angebotstafel neu schreiben und rausstellen | Person 2 |
| 9:45 | Scheiben, Türgriff und Eingang prüfen, Licht an | Person 1 |
| 9:50 | Von der anderen Straßenseite aus anschauen: Sieht das offen aus? | wer die Schicht leitet |
| 10:00 | Tür auf |
Der Blick von der anderen Straßenseite ist der wichtigste Punkt. Er dauert eine Minute und zeigt, was ein Passant sieht, und nicht, was das Team von innen sieht.
Checkliste Terrasse
- Tische und Stühle stehen gerade und offen. Beim Rundgang in Mölln achtet Hüsein Schuler darauf, dass Stuhlkante und Tischkante sauber ausgerichtet sind und es „immer einladend aussieht und nicht geschlossen“.
- Jeder Tisch ist eingedeckt. Seine Liste: frische Blumen, wenn möglich, ein Aschenbecher, vielleicht ein Besteckkasten. Ein leerer Tisch wirkt wie ein Lagerplatz.
- Alles ist abgewischt, auch Sitzflächen, die über Nacht nass geworden sind.
- Fläche nach Erlaubnis. Mobiliar steht nur dort, wo die Sondernutzungserlaubnis es zulässt, und der Gehweg bleibt so breit, wie die Auflage verlangt.
- Erlaubnis griffbereit. Köln etwa verlangt bei der Verlängerung, dass du bis zur schriftlichen Erlaubnis die Bestätigungs-E-Mail bei einer Kontrolle vorlegen kannst; ohne sie darfst du die Fläche nicht nutzen und musst das Mobiliar entfernen.
- Wetter mitgedacht. Schirme aufgespannt oder bereit, bei Wind Tischdecken befestigt. Wie du die Besetzung nach dem Wetterbericht planst, steht in Personal nach dem Wetter planen.
- Mülleimer und Aschenbecher leer.
Checkliste Schaufenster und Eingang
- Scheiben, Rahmen, oben kein Spinnennetz. So zählt Kemal Üres es bei einem Betrieb auf, nachdem dort aufgeräumt wurde: Scheiben sauber, Rahmen sauber, oben kein Spinnennetz, „ganz andere Nummer“.
- Nichts Lagerndes im Schaufenster. Beim selben Betrieb hatte er vorher die zwei Getränkekühlschränke in den Schaufenstern kritisiert. Der Inhaber erklärte, sie stünden dort aus Platzmangel. Beim nächsten Besuch waren sie weg. Kühlschränke, Kisten und Kartons gehören nach hinten.
- Schild und Werbung blitzblank. Kemals Rat aus demselben Fall: die Werbung über dem Eingang immer sauber halten und den Rahmen notfalls neu streichen. „Der erste Eindruck, der zählt.“
- Öffnungszeiten ordentlich. Mit der Hand überklebte Zeiten fallen ihm sofort auf, und er erklärt warum: Wer jeden Tag rein- und rausgeht, sieht so etwas nicht mehr. Lass die Zeiten sauber neu beschriften.
- Preisverzeichnis am Eingang. Das ist Pflicht: Neben dem Eingang muss ein Preisverzeichnis hängen, aus dem die Preise der wesentlichen Speisen und Getränke hervorgehen (§ 13 Abs. 2 Preisangabenverordnung). Details unter Preisangaben in der Gaststätte.
- Vitrine gefüllt und klar. Im Eiscafé ist die Vitrine oft vom Gehweg aus zu sehen. Sie ist vor Öffnung voll, die Scheibe ohne Fingerabdrücke.
- Licht an, auch tagsüber im Eingangsbereich, und keine kaputte Lampe.
Angebotstafel: jeden Tag neu
Die Tafel ist das billigste Werbemittel, das du hast, und eines, das leicht vergessen wird. Hüsein Schuler sagt dazu im Video aus Mölln: Angebotstafeln müssen immer beschriftet sein, „sodass man merkt, täglich war jemand dran“.
Ein paar Regeln, damit die Tafel arbeitet:
- Ein oder zwei Angebote, nicht die halbe Karte. Zum Beispiel die Sorte des Tages und das Kaffee-Angebot.
- Mit Preis. Der Gast soll nicht reinkommen müssen, um zu erfahren, was es kostet.
- Groß genug für jemanden, der im Gehen liest.
- Täglich neu, auch wenn das Angebot gleich bleibt. Eine Tafel mit dem Datum von letzter Woche sagt das Gegenteil von „hier ist jemand“.
- Eine Person ist zuständig, steht im Dienstplan oder in der Öffnen-Routine.
Steht die Tafel auf dem Gehweg und nicht auf deinem Grundstück, braucht sie in der Regel ebenfalls eine Erlaubnis der Gemeinde, siehe nächster Abschnitt.
Was die Gemeinde mitredet
Tische, Stühle, Aufsteller, Pflanzkübel oder Heizstrahler auf dem öffentlichen Gehweg sind eine Nutzung über den Gemeingebrauch hinaus, also eine Sondernutzung, und brauchen eine Erlaubnis. Für Ortsdurchfahrten von Bundesstraßen steht das in § 8 Abs. 1 Bundesfernstraßengesetz, für alle anderen Straßen im Straßengesetz deines Landes. Welche Gebühren, Flächen und Zeiten gelten, regelt jede Gemeinde selbst in ihrer Satzung. Was das für dich heißt:
- Die Erlaubnis gibt es nur auf Zeit oder auf Widerruf, und sie kann mit Auflagen verbunden werden (§ 8 Abs. 2 FStrG). Lies die Auflagen, bevor du die Terrasse aufbaust.
- Die Erlaubnis soll nicht erteilt werden, wenn Menschen mit Behinderung dadurch in der Nutzung des Gehwegs erheblich beeinträchtigt würden (§ 8 Abs. 1 FStrG). Rechne deshalb damit, dass die Gemeinde eine freie Restbreite für den Gehweg vorgibt.
- Gestaltungsauflagen sind kommunal. Köln etwa führt ab 2026 schrittweise Regeln zur barrierefreien und optischen Gestaltung der Außengastronomie ein, die sich nach der Lage im Stadtgebiet richten; Bestandsflächen in der sogenannten internationalen Zone müssen 2026 innerhalb einer Übergangszeit angepasst werden.
- Neue Schilder, Markisen oder eine andere Fassadenfarbe können weitere Satzungen berühren. Frag vorher beim Bauamt oder Ordnungsamt nach.
Wie Antrag, Gebühren und Sperrzeiten in den Ländern geregelt sind, steht ausführlich in Außengastronomie genehmigen. Bei Streit über Auflagen hilft ein Fachanwalt für Verwaltungsrecht.
Die Checkliste als Routine im Team
Eine Checkliste, die nur im Kopf des Inhabers existiert, funktioniert genau so lange, wie der Inhaber morgens selbst aufschließt. Damit sie auch an Tagen hält, an denen Aushilfen öffnen, gehört sie aufgeschrieben, an einen festen Platz und mit Namen versehen: Wer hat heute geöffnet?

In Gastronario legst du dafür eine Öffnen-Routine an, mit jedem Punkt dieser Checkliste als Schritt. Das Team hakt die Schritte am Tablet ab und schließt die Routine mit PIN ab; im Verlauf siehst du, wer wann geöffnet hat. Mehr unter Routinen. Und einmal pro Woche lohnt sich der größere Blick von außen, siehe Den eigenen Laden mit Gastaugen prüfen.
Quellen
- Kemal Üres (Der Gastro Flüsterer): Kemal rettet: Amadeus Mölln #2 - Schaffen sie die Wende? (Rundgang Außenbereich), 19.03.2026
- Kemal Üres (Der Gastro Flüsterer): Kemal rettet: Amadeus Mölln #2 - Schaffen sie die Wende? (Außenbereich eine Stunde vor Öffnung), 19.03.2026
- Kemal Üres (Der Gastro Flüsterer): Ich habe mit VIELEM gerechnet, aber nicht DAMIT!, 11.06.2026
- Kemal Üres (Der Gastro Flüsterer): KEIN AUSWEG MEHR! Muss Dominik schließen?, 01.05.2026
- § 8 Bundesfernstraßengesetz (FStrG): Sondernutzungen
- § 13 Preisangabenverordnung (PAngV): Gaststätten, Beherbergungsbetriebe
- Stadt Köln: Verlängerung der Sondernutzungserlaubnis für Außengastronomie 2026 (Gestaltungsregeln, Kontrolle)
Geprüft: 17. Oktober 2026