Eine Bäckerei eröffnen: Schritt für Schritt
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Kurzantwort
Eine Bäckerei mit eigener Backstube ist ein zulassungspflichtiges Handwerk: Du brauchst den Meisterbrief, einen Bäckermeister als Betriebsleiter oder eine Ausübungsberechtigung als Altgeselle, dazu die Eintragung in die Handwerksrolle. Für den Start solltest du mindestens eine mittlere fünfstellige Summe einplanen; die Übernahme einer bestehenden Bäckerei kostet laut KfW-Gründerplattform 40.000 bis 200.000 Euro Ablöse. Die drei wichtigsten Genehmigungen: Eintragung in die Handwerksrolle mit Handwerkskarte, Gewerbeanmeldung und Registrierung als Lebensmittelbetrieb. Übernimmst du eine eingerichtete Bäckerei und hast die Qualifikation, setzt die Eintragung in die Handwerksrolle den Termin, denn die Handwerkskarte ist mit der Gewerbeanzeige vorzulegen; danach sind 1 bis 3 Wochen bis zum Soft Opening machbar. Mit Umbau der Backstube oder Nutzungsänderung rechne mit Monaten (Annahme: sechs bis zwölf).
Wie viel kostet es, eine Bäckerei zu eröffnen?
Rechne für eine kleine Bäckerei mit eigener Backstube mindestens mit einer mittleren fünfstelligen Summe Startkapital; bei der Übernahme eines bestehenden Betriebs kommen nach Angaben der KfW-Gründerplattform 40.000 bis 200.000 Euro Ablöse hinzu. Die Backstube ist der teuerste Teil, weil Öfen, Kneter und Kühlung nicht ersetzbar sind und ihre Energiekosten jeden Monat weiterlaufen.
Beispielrechnung für eine Bäckerei mit Backstube, Verkaufsraum und zwei bis drei Verkäufern. Annahme: Mittelstadt, Übernahme vorhandener Räume, Geräte teils gebraucht. Jede Zahl trägt ihre Quelle oder ist als Annahme gekennzeichnet.
| Posten | Spanne | Quelle oder Annahme |
|---|---|---|
| Ablöse für eine bestehende Bäckerei | 40.000 bis 200.000 € | KfW-Gründerplattform, je nach Größe und Zustand |
| Kleine Backöfen neu | ab 2.500 € je Ofen, zwei bis drei Öfen | KfW-Gründerplattform |
| Gebrauchter Stikken- oder Etagenofen | 8.000 bis 25.000 € | Annahme, Gebrauchtmarkt, je nach Größe und Alter |
| Knetmaschine, Gärschrank, Arbeitstische, Kühlzelle | 15.000 bis 40.000 € | Annahme, gebraucht bis neu |
| Ladentheke, Brotregal, Brotschneidemaschine, Kasse mit TSE | 10.000 bis 30.000 € | Annahme |
| Miete inklusive Nebenkosten | selten unter 1.000 € im Monat | KfW-Gründerplattform |
| Kaution | drei Monatsmieten | Annahme |
| Eintragung in die Handwerksrolle, Gewerbeanmeldung, Registrierung | Gebühren nach Gebührenordnung der Kammer und der Kommune | Handwerkskammer und Gewerbeamt |
| Startwarenlager (Mehl, Hefe, Fette, Verpackung) | 2.000 bis 5.000 € | Annahme |
| Liquiditätsreserve | drei Monate Fixkosten | Annahme |
Die Energiekosten der Öfen gehören in jede Kalkulation, auch wenn es dafür keine allgemeine Spanne gibt: Lass dir vom Vermieter die letzten Abrechnungen zeigen und frag beim Ofenhersteller nach dem Verbrauch je Backstunde. Wie du den Kapitalbedarf finanzierst, steht unter Finanzierung in der Gastronomie; welche Steuern vom ersten Tag an laufen, unter Steuern bei der Gründung.
Wie lange dauert es, eine Bäckerei zu eröffnen, und was kommt wann?
Übernimmst du eine eingerichtete Bäckerei und hast die Qualifikation, bestimmt die Eintragung in die Handwerksrolle den Termin; danach sind 1 bis 3 Wochen bis zum Soft Opening machbar. Mit Umbau der Backstube oder Nutzungsänderung dauert es Monate (Annahme: sechs bis zwölf). Die Reihenfolge ist verbindlicher als jede Wochenzahl, weil die Handwerkskarte gleichzeitig mit der Gewerbeanzeige vorzulegen ist (§ 16 Abs. 1 HwO).
Weg 1: Übernahme einer eingerichteten Bäckerei mit Soft Opening
Der ehrliche Engpass ist die Handwerkskammer: Ohne Eintragung in die Handwerksrolle und Handwerkskarte keine Gewerbeanzeige, ohne Gewerbeanzeige kein Betrieb. Wie lange die Kammer für die Eintragung braucht, fragst du dort am ersten Tag; Meisterbrief oder Ausübungsberechtigung müssen vorliegen. Die übrigen Behördenschritte dauern Tage: Die Registrierung als Lebensmittelbetrieb ist eine Meldung ohne Bescheid, die Gewerbeanmeldung ist erst mit dem Betriebsbeginn fällig (§ 14 GewO). Zwei weitere Termine buchst du am ersten Tag: die Erstbelehrung beim Gesundheitsamt für alle, die mit Füllungen, Belägen oder in der Café-Küche arbeiten (die Bescheinigung darf beim Start höchstens drei Monate alt sein, § 43 IfSG), und bei einer Café-Ecke in Baden-Württemberg die IHK-Gaststättenunterrichtung: Dort ist jede Gaststätte, auch ohne Alkohol, über die Gewerbeanzeige anzuzeigen, in der Regel sechs Wochen vorher; bei Betriebsübernahmen kann die Gemeinde von der Frist absehen, das Factsheet des Landes nennt ausdrücklich Übernahmen von Filialbetrieben im Bäckerhandwerk als Beispiel (Factsheet des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg).
| Wann | Schritt |
|---|---|
| Tag 1 bis 2 | Übernahmevertrag unterschreiben (die Finanzierung steht vorher); Eintragung in die Handwerksrolle beantragen und nach der Dauer fragen; Termine buchen: Belehrung beim Gesundheitsamt, bei Café-Ecke in Baden-Württemberg die IHK-Unterrichtung; Gewerbeamt nach der Anzeigefrist fragen; bestellen, was fehlt: Mehl und Rohstoffe, Verpackung, Kasse mit TSE; Betriebsnummer beantragen (Arbeitgeber werden) |
| Woche 1 | Öfen, Kühlung und Backstube reinigen und prüfen; Lebensmittelbetrieb registrieren; Startsortiment mit Allergenkennzeichnung und Preisauszeichnung; Arbeitsverträge für Backstube und Verkauf; Sonntagsöffnung beim Ordnungsamt klären (Abschnitt unten) |
| Sobald die Handwerkskarte da ist | Gewerbe anmelden mit Handwerkskarte, in Baden-Württemberg bei Café-Ecke zugleich die Gaststättenanzeige mit Unterrichtungsnachweis; steuerliche Erfassung (Steuern bei der Gründung) |
| Woche 2 bis 3 | Belehrungen erledigt; Probebacken, Rezepturen und Backzeiten festlegen; Dienstplan für Backstube und Verkauf; Öffnen- und Schließroutinen festlegen (Routinen); GEMA, falls im Café Musik läuft; Sofortmeldung für jeden Mitarbeiter spätestens bei Arbeitsaufnahme; Soft Opening |
| 1 bis 4 Wochen nach dem Start | Berufsgenossenschaft binnen einer Woche nach Beginn (für Backbetriebe die BGN); Kasse binnen eines Monats dem Finanzamt melden; Fragebogen zur steuerlichen Erfassung binnen eines Monats; Tische vor der Tür: Außengastronomie; Sortiment und Öffnungszeiten erweitern |
Soft Opening heißt: kleines Sortiment, kürzere Öffnungszeiten, keine Werbung. So kommt vom ersten Tag an Geld herein, und du festigst in den ersten Wochen die Abläufe zwischen Backstube und Verkauf: wann der erste Ofen läuft, wer die Theke füllt, wie die Übergabe zur Frühschicht aussieht. Erst dann erweiterst du Sortiment und Zeiten. In Gastronario planst du Backstube und Verkauf als getrennte Bereiche, die ArbZG-Prüfung zeigt dir, ob die Nachtschicht die Ruhezeit einhält, und die Stempeluhr am Tablet zeichnet die Arbeitszeit ab der ersten Schicht auf (Aufzeichnungspflicht nach dem Mindestlohngesetz).
Weg 2: Neubau, Umbau oder Nutzungsänderung
Baust du eine Backstube neu ein oder waren die Räume vorher keine Bäckerei, rechne mit Monaten (Annahme: sechs bis zwölf). Die Zeit geht in drei Posten: das Bauamt (Nutzungsänderung; Abluft, Lärm und Anlieferung mit der Bauaufsicht klären, Dauer je Behörde), die Lieferzeiten für Öfen und Kühlung und die Handwerker für Strom, Wasser und Lüftung. Erst das Bauamt, dann der Mietvertrag. Die Behördenschritte aus der Tabelle oben legst du in die letzten Wochen vor der Eröffnung, in derselben Reihenfolge; die Eintragung in die Handwerksrolle beantragst du, sobald die Qualifikation feststeht.
Die Checkliste mit allen Schritten, die jeder Gastronomiebetrieb durchläuft, findest du unter Gründer-Checkliste.
Brauche ich für eine Bäckerei einen Meisterbrief?
Ja, wenn du Brot und Brötchen selbst herstellst: Der Bäcker steht in Anlage A der Handwerksordnung (Nr. 30, der Konditor unter Nr. 31), und ein zulassungspflichtiges Handwerk darf als stehendes Gewerbe nur betreiben, wer in der Handwerksrolle eingetragen ist (§ 1 Abs. 1 HwO, Anlage A HwO). Der Meisterbrief muss aber nicht deiner sein.
| Weg in die Handwerksrolle | Voraussetzung | Grundlage |
|---|---|---|
| Eigener Meisterbrief | Bestandene Meisterprüfung im Bäcker- oder einem verwandten Handwerk | § 7 Abs. 1a HwO |
| Angestellter Betriebsleiter | Du bist Inhaber, ein Bäckermeister leitet den Betrieb fachlich | § 7 Abs. 1 HwO |
| Altgesellenregelung | Gesellenprüfung plus sechs Jahre Tätigkeit im Bäckerhandwerk, davon vier Jahre in leitender Stellung | § 7b HwO |
Backshop oder Aufback-Filiale: kein Meister nötig
Wer gelieferte Teiglinge nur aufbackt und verkauft, betreibt kein zulassungspflichtiges Handwerk. Die IHK Schwaben führt das „Aufbacken von Teigrohlingen“ ausdrücklich als Tätigkeit, die für sich genommen keine Zugehörigkeit zur Handwerkskammer begründet; das „Backen von Brot und Brötchen“ dagegen schon (IHK Schwaben, Abgrenzung zum Handwerk). Der gesetzliche Maßstab steht in § 1 Abs. 2 HwO: Tätigkeiten, die in bis zu drei Monaten erlernbar oder für das Handwerk nebensächlich sind, gelten nicht als wesentliche Tätigkeiten des Handwerks. Ein Backshop ist also die Abkürzung ohne Meisterbrief, aber auch ohne eigene Rezepturen; sobald du selbst Teig ansetzt, bist du wieder im Handwerk.
Reihenfolge der Anmeldungen
Erst Handwerkskammer, dann Gewerbeamt: Die Handwerkskarte ist gleichzeitig mit der Gewerbeanzeige vorzulegen (§ 16 Abs. 1 HwO). Beginn und Ende des Betriebs meldest du der Handwerkskammer unverzüglich (§ 16 Abs. 2 HwO). Die gemeinsamen Schritte aller Gastronomiebetriebe (Gewerbeanmeldung, Registrierung als Lebensmittelbetrieb, IfSG-Belehrung, TSE) sind oben im Zeitplan verlinkt und werden hier nicht wiederholt.
Welche Ausstattung braucht eine Bäckerei und was kostet sie?
Eine Bäckerei braucht drei Bereiche: die Backstube mit Ofen, Kneter, Gärschrank und Kühlung, den Verkaufsraum mit Theke, Brotregal und Kasse, und bei einer Café-Ecke zusätzlich Kaffeemaschine, Mühle, Spülmaschine und Sitzplätze. Die KfW-Gründerplattform nennt als einzige belastbare Einzelzahl kleine Backöfen ab 2.500 Euro je Stück, von denen du zwei bis drei brauchst; alles andere unten ist Annahme.
| Bereich | Ausstattung | Spanne | Quelle oder Annahme |
|---|---|---|---|
| Backstube | Zwei bis drei kleine Öfen oder ein Stikken- oder Etagenofen | ab 2.500 € je kleinem Ofen; 8.000 bis 25.000 € gebraucht groß | KfW-Gründerplattform; Annahme für gebrauchte Öfen |
| Backstube | Spiralkneter, Gärschrank, Arbeitstische, Kühlzelle, Abluft | 15.000 bis 40.000 € | Annahme |
| Backstube | Mehlstaubarme Ausstattung: Absaugung, geschlossene Mehlsilos oder Säcke mit Dosierung | je nach Anlage | Vorgaben in der DGUV-Branchenregel 110-004 Backbetriebe |
| Verkauf | Theke mit Kühlung für Konditorware, Brotregal, Brotschneidemaschine, Waage | 8.000 bis 20.000 € | Annahme |
| Verkauf | Kasse mit zertifizierter TSE, getrennte Steuersätze für Mitnahme und Verzehr vor Ort | 1.000 bis 3.000 € | Annahme; Pflicht nach Kassensicherungsverordnung |
| Café-Ecke | Siebträger- oder Vollautomat, Mühle, Spülmaschine, Tische und Stühle | 5.000 bis 20.000 € | Annahme; zur Maschine siehe Abschnitt zum Röster |
Mehlstaub ist das Berufsrisiko der Backstube: Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung hat dafür mit der BGN und dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks die Branchenregel „Backbetriebe“ (DGUV Regel 110-004, Februar 2021) herausgegeben, die Gefährdungsbeurteilung, staubarme Arbeitsweise und Unterweisung beschreibt (Handwerksblatt zur DGUV-Branchenregel Backbetriebe). Plane Absaugung und Mehldosierung von Anfang an ein; nachrüsten ist teurer als mitbauen.
Was muss ich vor der ersten Aushilfe erledigen?
Bevor die erste Aushilfe hinter der Theke steht, brauchst du eine Betriebsnummer, die Anmeldung zur Sozialversicherung und ab der ersten Stunde eine Aufzeichnung der Arbeitszeit. Wie du Arbeitgeber wirst, steht Schritt für Schritt unter Arbeitgeber werden in der Gastronomie; hier nur, was in der Bäckerei anders läuft als im Restaurant.
| Pflicht | Was gilt in der Bäckerei | Grundlage |
|---|---|---|
| Sofortmeldung am ersten Arbeitstag | Pflicht im Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe; die reine Bäckerei ohne Café-Ecke steht nicht in der Liste. Mit Sitzplätzen und Bewirtung bist du Gaststättengewerbe; frag im Zweifel deine Einzugsstelle und melde sofort | § 28a Abs. 4 SGB IV |
| Arbeitszeit aufzeichnen (Beginn, Ende, Dauer) | Für jeden Minijobber in jeder Branche; für alle Mitarbeiter im Gaststättengewerbe. Aufzeichnung innerhalb von sieben Tagen, zwei Jahre aufbewahren | § 17 Abs. 1 MiLoG, § 2a SchwarzArbG |
| Mindestlohn | 13,90 € je Stunde ab dem ersten Arbeitstag, auch für Aushilfen im Verkauf | Mindestlohn-Dokumentation |
| Minijob-Grenze | 603 € im Monat (2026); bei 13,90 € Mindestlohn sind das rund 43 Stunden im Monat | Minijob-Grenze |
| IfSG-Bescheinigung vor dem ersten Arbeitstag | Pflicht für alle, die Backwaren mit nicht durchgebackener Füllung oder Auflage herstellen oder verkaufen (Sahnetorten, belegte Brötchen) oder in der Café-Küche arbeiten; Bescheinigung des Gesundheitsamts nicht älter als drei Monate. Deine eigene Belehrung folgt nach Aufnahme der Tätigkeit und dann alle zwei Jahre | § 42 Abs. 2 Nr. 7 IfSG, § 43 Abs. 1 und 4 IfSG |
Die Aufzeichnungspflicht nach MiLoG ist in der Bäckerei deshalb keine Formalie, weil der Verkauf fast immer mit Minijobbern läuft: Jede Aushilfe an der Theke löst sie aus, unabhängig davon, ob du eine Café-Ecke hast. Was bei der Einstellung eines Minijobbers der Reihe nach zu tun ist, steht in der Checkliste Minijobber einstellen; warum eine fehlende Aufzeichnung schnell als Schwarzarbeit gewertet wird, unter Schwarzarbeit in der Gastronomie.
Welche Regeln gelten für Frühschicht, Nachtarbeit und Auszubildende in der Bäckerei?
In Bäckereien und Konditoreien beginnt die gesetzliche Nachtzeit um 22 Uhr und endet um 5 Uhr, zwei Stunden früher als in jedem anderen Betrieb (§ 2 Abs. 3 ArbZG). Wer in der Backstube um 3 Uhr anfängt, leistet damit Nachtarbeit, sobald mehr als zwei Stunden seiner Schicht in diese Zeit fallen (§ 2 Abs. 4 ArbZG).
Was Nachtarbeit für dich als Arbeitgeber bedeutet
| Regel | Inhalt | Grundlage |
|---|---|---|
| Nachtarbeitnehmer | Wer an mindestens 48 Tagen im Jahr Nachtarbeit leistet oder normalerweise in Wechselschicht nachts arbeitet | § 2 Abs. 5 ArbZG |
| Tägliche Höchstarbeitszeit | Acht Stunden; bis zu zehn Stunden nur, wenn innerhalb eines Kalendermonats oder von vier Wochen im Durchschnitt acht Stunden nicht überschritten werden | § 6 Abs. 2 ArbZG |
| Arbeitsmedizinische Untersuchung | Nachtarbeitnehmer haben Anspruch auf eine Untersuchung vor Beginn und danach alle drei Jahre, ab 50 Jahren jährlich; Kosten trägt der Arbeitgeber | § 6 Abs. 3 ArbZG |
| Ausgleich für Nachtstunden | Angemessene Zahl bezahlter freier Tage oder angemessener Zuschlag, soweit kein Tarifvertrag das regelt | § 6 Abs. 5 ArbZG |
| Steuerfreier Nachtzuschlag | Bis 25 Prozent des Grundlohns für Arbeit zwischen 20 und 6 Uhr; bis 40 Prozent für 0 bis 4 Uhr, wenn die Arbeit vor 0 Uhr beginnt; Grundlohn höchstens 50 Euro je Stunde | § 3b EStG |
| Sonn- und Feiertagsarbeit | Bis zu drei Stunden für Herstellung, Austragen und Ausfahren von Konditorwaren und der an diesem Tag zum Verkauf kommenden Bäckerwaren | § 10 Abs. 3 ArbZG |
Für die Drei-Stunden-Grenze an Sonntagen hat die Koalition im Juli 2026 eine Ausweitung auf bis zu acht Stunden ab 1. Januar 2027 angekündigt; sie soll über eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes kommen und ist zum Stand dieses Textes noch nicht Gesetz (Bericht vom Juli 2026). Die Ruhezeit von elf Stunden zwischen zwei Schichten gilt in der Bäckerei unverändert; wie sie sich mit der Frühschicht verträgt, steht unter Ruhezeit in der Gastronomie.
Auszubildende und andere Jugendliche
Jugendliche dürfen grundsätzlich nur zwischen 6 und 20 Uhr beschäftigt werden; für Bäckereien gibt es eine eigene Ausnahme: über 16 Jahre ab 5 Uhr in Bäckereien und Konditoreien, über 17 Jahre ab 4 Uhr in Bäckereien (§ 14 JArbSchG). Ein 16-jähriger Azubi im ersten Lehrjahr darf also nicht mit dem Meister um 3 Uhr anfangen, auch wenn er will.
| Tag | Jugendliche in der Bäckerei | Grundlage |
|---|---|---|
| Werktag | Frühestens 6 Uhr; über 16 ab 5 Uhr, über 17 ab 4 Uhr | § 14 JArbSchG |
| Samstag | Erlaubt in Bäckereien und Konditoreien und in offenen Verkaufsstellen; mindestens zwei Samstage im Monat sollen frei bleiben; Ausgleich durch einen freien Werktag derselben Woche | § 16 JArbSchG |
| Sonntag | Bäckereien stehen nicht in der Ausnahmeliste; das Gaststättengewerbe schon. Ob deine Café-Ecke das für den Verkauf trägt, klärst du vorher mit der Gewerbeaufsicht | § 17 JArbSchG |
Ausbilden darf, wer fachlich geeignet ist: im zulassungspflichtigen Handwerk die bestandene Meisterprüfung oder die Eintragung in die Handwerksrolle zusammen mit Teil IV der Meisterprüfung oder einer gleichwertigen Ausbildereignungsprüfung (§ 22b HwO). Alle übrigen Grenzen für Jugendliche (Pausen, Höchstarbeitszeit, Berufsschule) stehen unter Jugendarbeitsschutzgesetz in der Gastronomie.
Was ändert eine Café-Ecke mit Sitzplätzen?
Sobald du Kaffee oder belegte Brötchen zum Verzehr an Ort und Stelle anbietest, betreibst du neben dem Handwerk ein Gaststättengewerbe (§ 1 GastG). Das bringt fünf Folgen mit, die eine reine Verkaufsbäckerei nicht hat.
| Folge | Was gilt | Grundlage |
|---|---|---|
| Erlaubnis | Für alkoholfreie Getränke und zubereitete Speisen ist nach dem Bundesgesetz keine Gaststättenerlaubnis nötig; mehrere Länder haben eigene Gaststättengesetze, prüfe deins. Baden-Württemberg: Anzeige über die Gewerbeanzeige für jede Gaststätte, auch ohne Alkohol, in der Regel sechs Wochen vor Betriebsbeginn, bei Betriebsübernahme kann die Gemeinde von der Frist absehen | § 2 Abs. 2 GastG, Factsheet des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg, Gaststättenerlaubnis je Bundesland |
| IHK-Gaststättenunterrichtung | Baden-Württemberg: Pflicht für jede Gaststätte, auch die Café-Ecke ohne Alkohol, als Teil der Anzeige (Kurs höchstens sechs Stunden); befreit, wer eine Ausbildung hat, die die Grundzüge des Lebensmittelrechts vermittelt, die Berufe stehen in der VwV Gaststättenunterrichtung. Ohne Nachweis ist die Anzeige unvollständig, die Behörde kann den Betrieb untersagen (§ 2 Abs. 4 LGastG), und es ist eine Ordnungswidrigkeit (§ 11 Abs. 1 LGastG). Länder mit Bundes-GastG: nur bei Alkohol, als Voraussetzung der Erlaubnis | Factsheet des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg, § 4 Abs. 1 Nr. 4 GastG, Gaststättenerlaubnis |
| Bau | Sitzplätze können eine Nutzungsänderung auslösen; Toiletten und Fluchtwege regelt das Landesbaurecht | Nutzungsänderung |
| Umsatzsteuer | Seit 1. Januar 2026 gelten 7 Prozent für Speisen auch beim Verzehr vor Ort; Getränke bleiben bei 19 Prozent. Die Kasse muss Mitnahme, Verzehr vor Ort und Getränke sauber trennen | § 12 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 15 UStG |
| Personal | Sofortmeldung und MiLoG-Aufzeichnung für alle Mitarbeiter, weil das Gaststättengewerbe in beiden Listen steht; IfSG-Belehrung für die Küche | § 28a Abs. 4 SGB IV, § 2a SchwarzArbG, § 42 Abs. 1 IfSG |
Sonntagsverkauf: Ladenrecht ist Landesrecht
Wie viele Stunden du sonntags Brötchen über die Theke verkaufen darfst, bestimmt dein Bundesland, nicht der Bund. Baden-Württemberg lässt Bäckereien und Konditoreien drei Stunden zu, Nordrhein-Westfalen Verkaufsstellen mit Backwaren fünf Stunden (Länderüberblick Ladenöffnung bei Lebensmittel Praxis); für dein Land fragst du das Ordnungsamt. Eine Bäckerei mit Café-Betrieb darf darüber hinaus zubereitete Speisen, die sie im Betrieb verabreicht, auch während der Ladenschlusszeiten zum alsbaldigen Verzehr an jedermann über die Straße abgeben (§ 7 Abs. 2 GastG); der Bundesgerichtshof hat 2019 entschieden, dass auch unbelegte Brötchen und Brot darunter fallen (Az. I ZR 44/19, Zusammenfassung des Urteils). Ob das in deinem Land gilt, hängt davon ab, ob dort das Bundes-GastG oder ein Landesgesetz anzuwenden ist. Unabhängig davon bleibt die Grenze für das Backen am Sonntag im Arbeitszeitgesetz: bis zu drei Stunden für die Ware, die an diesem Tag verkauft wird (§ 10 Abs. 3 ArbZG).
Wie wähle ich Kaffee und Röster für die Bäckerei?
Wähle den Röster nach fünf Kriterien, in dieser Reihenfolge: Röstprofil, Preis je Kilogramm, Lieferrhythmus, Schulung deines Teams und die Frage, ob du die Maschine kaufst, least oder als Leihmaschine mit Bezugsbindung nimmst. In der Bäckerei ist Kaffee ein Nebenprodukt mit hoher Marge, das aber vom selben Verkaufsteam ausgeschenkt wird, das auch Brötchen tütet; das Angebot muss deshalb mit wenig Handgriffen zuverlässig schmecken.
| Kriterium | Worauf du achtest |
|---|---|
| Röstprofil | Für Vollautomat und Milchgetränke eine mittlere bis dunkle Röstung, die Milch trägt; für Siebträger und schwarzen Kaffee darf es heller sein. Probiere die Bohne auf deiner Maschine, nicht beim Röster |
| Preis je Kilogramm | Rechne auf die Tasse um: Gramm je Getränk mal Kilopreis plus Milch und Becher. Ein teurerer Kilopreis ist bei kleinen Mengen oft ein Centbetrag je Tasse |
| Lieferrhythmus | Wöchentliche oder zweiwöchentliche Lieferung kleiner Mengen hält die Bohne frisch; Mindestabnahme und Lieferkosten im Angebot nachlesen |
| Schulung | Mahlgrad, Milchschaum, Reinigung: Lass das Verkaufsteam vom Röster einweisen und wiederhole die Einweisung bei jedem Personalwechsel |
| Maschine | Kauf: eigene Wahl, voller Preis, Wartung selbst. Leasing: feste Monatsrate, meist mit Wartung. Leihmaschine mit Bezugsbindung: kein Kaufpreis, dafür Mindestabnahme und Laufzeit; prüfe, wem die Maschine gehört, wer Wartung und Reparatur zahlt und wie du aus dem Vertrag kommst |
Lass dir jedes Angebot als Gesamtkosten je Jahr aufstellen, inklusive Maschine, Wartung, Bohnen bei deiner geschätzten Tassenzahl. Erst dann ist ein billiger Kilopreis mit teurer Maschine mit einem teuren Kilopreis und Leihmaschine vergleichbar.
Häufige Fragen
- Kann ich eine Bäckerei ohne Meisterbrief eröffnen?
- Ja, auf zwei Wegen. Du stellst einen Bäckermeister als Betriebsleiter ein und lässt dich als Inhaber in die Handwerksrolle eintragen, oder du nutzt die Altgesellenregelung: Gesellenprüfung plus sechs Jahre Tätigkeit im Bäckerhandwerk, davon vier in leitender Stellung. Grundlage sind § 7 und § 7b der Handwerksordnung. Ohne einen dieser Wege darfst du keine Backstube betreiben, in der Brot und Brötchen vom Teig an entstehen.
- Brauche ich für einen Backshop mit Aufbackstation einen Meister?
- Nein. Das Aufbacken gelieferter Teiglinge führt die IHK Schwaben als Tätigkeit, die keine Zugehörigkeit zur Handwerkskammer begründet; es zählt nicht zu den wesentlichen Tätigkeiten des Bäckerhandwerks im Sinne von § 1 Abs. 2 Handwerksordnung. Ein Backshop meldet ein normales Gewerbe an und gehört nicht zur Handwerkskammer. Sobald du selbst Teig ansetzt, wird daraus wieder ein zulassungspflichtiges Handwerk.
- Ab wann dürfen Auszubildende in der Backstube anfangen?
- Jugendliche unter 18 dürfen grundsätzlich erst ab 6 Uhr arbeiten. In Bäckereien und Konditoreien dürfen Jugendliche über 16 Jahre ab 5 Uhr beginnen, in Bäckereien Jugendliche über 17 Jahre ab 4 Uhr. Das steht in § 14 Jugendarbeitsschutzgesetz. Ein volljähriger Azubi unterliegt diesen Grenzen nicht mehr, dafür aber den Nachtarbeitsregeln des Arbeitszeitgesetzes.
- Was gilt in einer Bäckerei als Nachtarbeit?
- In Bäckereien und Konditoreien ist Nachtzeit die Zeit von 22 bis 5 Uhr, in allen anderen Betrieben 23 bis 6 Uhr. Nachtarbeit leistet, wer mehr als zwei Stunden in dieser Zeit arbeitet. Wer das an mindestens 48 Tagen im Jahr tut, ist Nachtarbeitnehmer und hat Anspruch auf arbeitsmedizinische Untersuchung sowie auf freie Tage oder einen Zuschlag, soweit kein Tarifvertrag das regelt. Grundlage sind § 2 und § 6 Arbeitszeitgesetz.
- Darf ich sonntags Brötchen verkaufen?
- Das regelt dein Bundesland im Ladenöffnungsrecht, nicht der Bund; die Spanne reicht von drei Stunden in Baden-Württemberg bis fünf Stunden in Nordrhein-Westfalen. Backen lassen darfst du am Sonntag nach § 10 Abs. 3 Arbeitszeitgesetz bis zu drei Stunden für die Ware, die an diesem Tag verkauft wird. Eine Bäckerei mit Café-Betrieb darf nach § 7 Abs. 2 Gaststättengesetz zubereitete Speisen auch während der Ladenschlusszeiten zum alsbaldigen Verzehr über die Straße abgeben, wenn in deinem Land das Bundesgesetz gilt.
- Brauche ich für die Café-Ecke eine Gaststättenerlaubnis?
- Nach dem Bundes-Gaststättengesetz nicht, solange du nur alkoholfreie Getränke und zubereitete Speisen anbietest. Mehrere Bundesländer haben aber eigene Gaststättengesetze mit Anzeigepflicht statt Erlaubnis. Unabhängig davon kann eine Café-Ecke mit Sitzplätzen eine Nutzungsänderung nach Landesbaurecht auslösen. Frag Ordnungsamt und Bauamt deiner Stadt, bevor du Tische bestellst.
- Welche Umsatzsteuer gilt für Brötchen zum Mitnehmen und im Café?
- Seit 1. Januar 2026 gelten für Speisen 7 Prozent, egal ob zum Mitnehmen oder zum Verzehr im Café. Getränke bleiben bei 19 Prozent, auch Kaffee am Tisch. Deine Kasse muss die Steuersätze getrennt ausweisen, und für den Jahresabschluss braucht dein Steuerberater die Aufteilung je Umsatzart.
- Muss ich Mitarbeiter in der Bäckerei am ersten Tag sofort melden?
- Die Sofortmeldung gilt für die in § 28a Abs. 4 SGB IV genannten Branchen, darunter das Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe. Eine reine Verkaufsbäckerei steht nicht in der Liste, eine Bäckerei mit Café-Ecke ist dagegen Gaststättengewerbe. Die normale Anmeldung zur Sozialversicherung brauchst du in jedem Fall; im Zweifel melde sofort, das kostet nichts und erspart Diskussionen bei der Zollprüfung.
Quellen
- Handwerksordnung, Anlage A (zulassungspflichtige Handwerke)
- § 1 HwO, Zulassungspflicht und wesentliche Tätigkeiten
- § 7 HwO, Eintragung in die Handwerksrolle
- § 7b HwO, Ausübungsberechtigung für Altgesellen
- § 16 HwO, Gewerbeanzeige und Handwerkskarte
- § 22b HwO, fachliche Eignung zum Ausbilden
- IHK Schwaben, Herstellung von Nahrungsmitteln: Abgrenzung zum Handwerk
- § 2 ArbZG, Nachtzeit in Bäckereien und Konditoreien
- § 6 ArbZG, Nacht- und Schichtarbeit
- § 10 ArbZG, Sonn- und Feiertagsbeschäftigung
- § 3b EStG, steuerfreie Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit
- § 14 JArbSchG, Nachtruhe
- § 16 JArbSchG, Samstagsruhe
- § 17 JArbSchG, Sonntagsruhe
- § 1 GastG, Gaststättengewerbe
- § 2 GastG, Erlaubnis
- § 7 GastG, Abgabe zubereiteter Speisen über die Straße
- § 12 UStG, Steuersätze
- § 28a SGB IV, Meldepflicht und Sofortmeldung
- § 17 MiLoG, Aufzeichnungspflicht
- § 2a SchwarzArbG, Wirtschaftsbereiche mit Ausweispflicht
- § 42 IfSG, Tätigkeitsverbote
- § 43 IfSG, Belehrung und Bescheinigung
- KfW-Gründerplattform, Bäckerei eröffnen
- Handwerksblatt, DGUV-Branchenregel Backbetriebe (110-004)
- Lebensmittel Praxis, Länderüberblick Ladenöffnungszeiten
- WBS Legal, BGH I ZR 44/19 zum Sonntagsverkauf in Bäckereien mit Café
- echo24, Koalitionsbeschluss zur Sonntagsarbeit in Bäckereien (Juli 2026)
Stand: Oktober 2026 · Verantwortlich: Rico Klatte
Allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Texte entstehen mit KI-Hilfe, siehe KI-Hinweis.